Mehr als die Hälfte der Tschechen hat vor irgendetwas in ihrer Umgebung Angst. Laut einer Umfrage von STEM/MARK leiden an irgendeiner Art von Phobie bis zu drei Viertel der Tschechinnen und ein Drittel ...

Mehr als die Hälfte der Tschechen hat vor irgendetwas in ihrer Umgebung Angst. Laut einer Umfrage von STEM/MARK leiden bis zu drei Viertel der Tschechinnen und ein Drittel der tschechischen Männer an irgendeiner Art von Phobie. So hat zum Beispiel jeder sechste Tscheche Höhenangst. Ängste, die anderen übertrieben erscheinen, können jedoch die Lebensqualität mindern, und sie zu ignorieren kann sogar zu Depressionen führen.
Fast jeder kennt in seinem Umfeld jemanden, der sich vor Spinnen, überfüllten öffentlichen Verkehrsmitteln oder öffentlichen Auftritten fürchtet. Aus einer aktuellen Umfrage geht nämlich hervor, dass bis zu jeder zweite Tscheche eine unangemessene Angst vor bestimmten Dingen oder Situationen in seinem Leben hat.
Am häufigsten sind angeblich Tierphobien – die meisten Tschechen fürchten sich vor Spinnen, Schlangen oder Mäusen. An zweiter Stelle folgt die Höhenangst, unter der rund vierzehn Prozent der Menschen leiden. Dreizehn Prozent der Tschechen erleben Klaustrophobie, also die Angst vor engen Räumen.
Die Fachleute sind sich zwar nicht einig, wann Phobien und Ängste entstehen, doch die größere Gruppe von ihnen neigt zu der Ansicht, dass unangenehme Erinnerungen und Erlebnisse aus der Kindheit für grundlose Panik verantwortlich sind.
Untersuchungen weisen auch darauf hin, dass die Kinder eines Elternteils, der langfristig an einer bestimmten Phobie leidet, mit einer um ein Vielfaches höheren Wahrscheinlichkeit dieselben Dinge oder Situationen ebenfalls fürchten werden. Es geht dabei aber nicht um Vererbung, sondern eher um eine erlernte Reaktion.
Das Umfeld hat für eine Phobie oft nicht viel Verständnis und verdächtigt den Betroffenen unnötiger Hysterie oder des Versuchs, auf sich aufmerksam zu machen. Bei den meisten Menschen werden aber neben unangenehmen Gedanken auch automatische physiologische Reaktionen ausgelöst. Es kann zu einer völligen Lähmung kommen, bei der der erstarrte Mensch sich überhaupt nicht mehr bewegen oder kommunizieren kann. Üblich sind auch starkes Herzklopfen, Schwitzen, beschleunigte Atmung oder Schwindel.
Der Körper reagiert auf den Reiz nämlich genauso wie auf lebensbedrohliche Situationen. In dem Moment unterscheidet er nicht, ob er eine giftige Tarantel vor sich hat oder eine kleine, harmlose Spinne.
Gerade die unangenehmen körperlichen und mentalen Reaktionen können Menschen mit Angststörungen das Leben sehr schwer machen. Da sie sich solchen Zuständen in der Regel nicht wiederholt stellen wollen, meiden sie unangenehme Situationen bewusst. Fachleuten zufolge ist das jedoch ein Fehler.
Die wirksamste Methode zur Behandlung irrationaler Ängste ist nämlich die sogenannte Expositionstherapie. Sie besteht gerade darin, den Betroffenen den Situationen auszusetzen, vor denen er sich so sehr fürchtet.
„Wir haben hier immer wieder Menschen, die panische Angst vor Höhen haben. Wenn sie sich aber ein Herz fassen und zum Beispiel einen Tandemsprung wagen, stellt sich meist eine riesige Erleichterung ein. Sie haben unbeschadet das überstanden, wovor sie sich ihr ganzes Leben lang so gefürchtet haben. Oft gibt ihnen das insgesamt mehr Selbstvertrauen und Lust, Neues zu unternehmen“, bestätigt auch Martin Dlouhý von der Firma JUMP-TANDEM, die sich auf Tandemsprünge konzentriert und zum Beispiel auch eine Fallschirmsprungschule anbietet.
Damit bestätigt er die Erfahrungen der Psychotherapeuten. Wird ein Mensch schrittweise der unangenehmen Situation ausgesetzt, vor der er sich so sehr fürchtet, führt ihn das nämlich dazu, die Kontrolle über seine Reaktionen zu übernehmen. Menschen, die an Phobien leiden, beginnen zu erkennen, dass sie ihre Reaktionen regulieren können. Sie gewinnen Abstand zum Problem und drängen die Angst nach und nach zurück.
Bei einer Arachnophobie zum Beispiel bekommt der Klient in der Therapie zunächst nur Bilder von Spinnen. Anschließend stellt er sich vor, wie es ist, eine Spinne im Haushalt zu sehen oder sie auf der Haut zu spüren. In der letzten Phase übt er dann, sich lebende Spinnen auf den Körper zu setzen. Manche tschechischen Zoos veranstalten sogar Aktionen, bei denen sie versuchen, Phobien vor verschiedenen Tieren bei Menschen zu lindern, und es ermöglichen, Reptilien, Mäuse oder verschiedene Spinnen unter fachkundiger Aufsicht zu berühren.
Bei der Angst vor Unreinheit, Schmutz oder Keimen – der sogenannten Mysophobie oder Germophobie – ist es dagegen wichtig, die angstlindernden Rituale zu unterbrechen. Menschen, die an diesen Phobien leiden, neigen nämlich dazu, sich ständig die Hände zu waschen oder das Haus zu desinfizieren. Wichtig ist aber, dem Drang, dieses Ritual auszuführen, nicht nachzugeben und die Ansprüche an die Sauberkeit schrittweise zu senken. Therapeuten empfehlen deshalb, eine Liste der Orte und Situationen aufzuschreiben, die Panik auslösen, wie zum Beispiel öffentliche Toiletten, das Wartezimmer beim Arzt oder die Müllcontainer vor dem Haus.
Anschließend gilt es wieder, sich bewusst in diese Situationen zu begeben, sich der eigenen Gefühle bewusst zu werden und zu versuchen, der gewohnten Reaktion nicht nachzugeben. Es lohnt sich, die eigenen Gefühle aufzuschreiben und auf einer Skala von eins bis zehn zu bewerten, wie unangenehm das Erlebnis war.
Die Veränderungen kommen in diesem Fall meist nicht so schnell, und deshalb ist es gut, die eigenen Erfolge festzuhalten. Natürlich geht es nicht darum, die Wohnung nicht mehr zu putzen oder sich gar nicht mehr zu waschen; die Menschen müssen nur lernen, die Angst auszuhalten, ein gesundes Maß zu finden und sich das Leben nicht von Zwangsgedanken diktieren zu lassen.
Link zum ganzen Artikel hier: https://www.denik.cz/ekonomika/kazdy-druhy-cech-trpi-fobii-nejucinnejsi-je-strachu-celit-rikaji-odbornici-20180320.html
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