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Sie sehen aus wie Batman und fliegen schnell über dem Boden. Die Hauptsache ist, Ruhe zu bewahren, sagen die Wingsuiter Unter der Woche arbeiten sie als IT-Spezialisten, Ärzte oder etwa ...

Sie sehen aus wie Batman und fliegen schnell über dem Boden. Die Hauptsache ist, Ruhe zu bewahren, sagen die Wingsuiter

Unter der Woche arbeiten sie als IT-Spezialisten, Ärzte oder etwa Dreher, an den Wochenenden schlüpfen sie in einen geflügelten Anzug und lassen sich in vier Kilometern Höhe absetzen. Dann rasen sie mit bis zu 200 Kilometern pro Stunde Richtung Erde. Die Rede ist nicht von modernen Batmans, sondern von Liebhabern des Wingsuit-Fliegens.

„Es handelt sich um eine sehr neue Disziplin. Die ersten Wingsuits entstanden zwar Anfang der 90er-Jahre, aber in die FAI (Weltluftsportverband, Anm. d. Red.) hat es das erst vor zwei Jahren geschafft“, erläuterte Martin Dlouhý von der Firma JUMP-TANDEM und Vizepräsident des Tschechischen Fallschirmverbands.

„Wingsuit Flying ist in Tschechien im Vergleich zum Rest der Welt noch im Rückstand. Deshalb versuchen wir, die Disziplin unter den Leuten stärker zu verbreiten“, fügte er hinzu.

Wingsuit-Fliegen ist eine Fallschirmsportdisziplin, bei der die Menschen einen speziellen Anzug tragen, der aussieht wie aus einem Comic. Unter den Armen und zwischen den Beinen haben sie ein Stück Stoff, sodass sie an fliegende Fledermäuse erinnern. Auf dem Rücken tragen sie einen Fallschirm, den sie erst zur Landung öffnen.

Etwa fünfzehn solcher tschechischen Batmans trafen sich vergangene Woche auf dem Flugplatz bei Prostějov, um ihr Können bei der allerersten offenen Tschechischen Meisterschaft in diesem ungewöhnlichen Sport zu messen. Martin Dlouhý sah sie auch als Vorbereitung auf die historisch zweite Weltmeisterschaft im Wingsuit-Fliegen. Die erste fand vor zwei Jahren in Florida statt, die Weltmeisterschaft in der Umgebung von Prostějov findet schon in einem Monat statt.

Bei den Wettkämpfen werden Geschwindigkeit, Zeit und Strecke der Wettkämpfer in einem Höhenfenster zwischen drei und zwei Kilometern verglichen. Zur Aufzeichnung der Leistungen dienen spezielle GPS-Tracker, die Daten der einzelnen Wettkämpfer werten die Schiedsrichter aus. Wegen der Flugdistanzen wurde rund um den Flugplatz auch ein spezieller Luftraum ausgewiesen.

Dreizehn Jahre zwischen Luft und Erde
Wer meint, dass nur Männer dem Adrenalinvergnügen frönen, wäre überrascht, wie viele unerschrockene Frauen es in der Fallschirmspringer-Clique gibt. Eine von ihnen ist die achtundzwanzigjährige Simona Vybíralová, die zu den besten tschechischen Wingsuitern gehört. An Werktagen arbeitet sie als IT-Beraterin, doch schon seit dreizehn Jahren verbringt sie ihre Wochenenden auf dem Flugplatz und auch in der Luft.

„Zum ersten Mal habe ich das Tandemspringen mit fünfzehn ausprobiert. Es ist ein Teil meines Lebens, ich könnte mir nicht vorstellen, ohne es zu leben“, gestand die sympathische Blondine, die schon über 1.500 Sprünge aus dem Flugzeug hinter sich hat. Den Wingsuit hat sie vor zehn Jahren zum ersten Mal ausprobiert, und früher trat sie auch für die tschechische Frauen-Nationalmannschaft im Zielspringen an.

Bis heute kann sie sich jedoch die Gefühle beim ersten Sprung ins Gedächtnis rufen. „Ich habe die Augen geschlossen, gezählt, und dann habe ich die Augen geöffnet, der Fallschirm war da und es war super. Ich habe mich ringsum in der Landschaft um Hranice na Moravě umgesehen“, erzählte sie mit einem Lächeln auf den Lippen. Dennoch gibt sie zu, dass auch sie manchmal Angst hat. „Wenn ich nach längerer Zeit springe, habe ich ein wenig Bedenken. Aber mehr Angst habe ich im Wingsuit wegen der Öffnung des Fallschirms, der sich verheddern kann.“

Nach eigenen Worten denkt sie beim Fallen aus vier Kilometern an überhaupt nichts; sie wacht erst auf, wenn der Höhenmesser sie darauf aufmerksam macht, dass sie den Fallschirm öffnen soll. Irgendeinen Sprung zu erleben, würde sie jedem empfehlen. „Außerdem ist es in diesem Sport nie zu spät anzufangen“, fügte sie hinzu.

Wingsuiter fliegen bis zu 200 Kilometer pro Stunde
Dlouhý, der in 33 Jahren über siebentausend Sprünge absolviert hat, räumt ein, dass das Wingsuit-Fliegen im Vergleich zu anderen Fallschirmsportdisziplinen jedoch sehr anspruchsvoll ist, und zwar sowohl in Sachen Sicherheit als auch finanziell. „Fallschirmspringen ist ein sehr sicherer Sport, wenn man es richtig und mit Demut betreibt. Wingsuit Flying ist, was die Sicherheit angeht, die nächste Stufe, denn die Leute fallen nicht nur zur Erde, sondern fliegen mit etwa 200 Kilometern pro Stunde nach vorn, und wenn zum Beispiel sechs von ihnen aus dem Flugzeug springen, müssen sie so fliegen, dass sie nicht zusammenstoßen“, erklärte er.

Den Geschwindigkeitsweltrekord hält der Brite Fraser Corsan, der im vergangenen Jahr mit fast 400 Kilometern pro Stunde flog. Am längsten flog 2012 der Kolumbianer Jhonathan Florez – neun Minuten und sechs Sekunden, er sprang aus mehr als 11.000 Metern ab. Würde man jedoch die internationalen Regeln zur höchstmöglichen Absprunghöhe berücksichtigen, dann hält der Kanadier Marc-André Denault mit 98,9 Sekunden den Rekord für den längsten Flug im Wingsuit.

Auch das Absetzen in der Luft läuft anders ab als bei gewöhnlichen Fallschirmspringern. Springer in Wingsuits können nämlich auch mehr als zwanzig Kilometer entfernte Orte erreichen.

„Der Absprung aus dem Flugzeug ist speziell, man muss sich genauso verhalten, als würde man sich selbst als Flugzeug abkoppeln. Man könnte nämlich mit dem Leitwerk des Flugzeugs zusammenstoßen“, beschrieb der erfahrene Fallschirmspringer mögliche Gefahren. Das Flugzeug setzt die Wingsuiter in vier Kilometern Höhe ab, anschließend fallen sie etwa eine Minute lang bis auf einen Kilometer Höhe, wo sie den Fallschirm öffnen, um problemlos auf dem Boden aufzusetzen.

Damit man ausprobieren kann, wie Batman zu fliegen, muss man mindestens zweihundert Sprünge absolviert haben und älter als fünfzehn Jahre sein. „Vorher muss man aber auch einen Wingsuit-Kurs absolvieren. In Tschechien haben wir mehrere Coaches, ich arbeite auch mit dem bekannten deutschen Wingsuiter Rolf Brombach zusammen, der so etwas wie der Guru dieser Disziplin ist. Nach dem Kurs fängt man an zu springen – zuerst in einer Art Schüleranzug mit kleinen Flügeln, dann in einem fortgeschritteneren, und dann gibt es die Hochleistungsanzüge, die Profi-Flügel haben, zweilagig sind und genauso funktionieren wie ein Fallschirm. In so einem Anzug fliegst du langsamer nach unten als ein Fallschirm, aber weiter nach vorn“, verglich Dlouhý.

Laut dem Vizepräsidenten des Tschechischen Fallschirmverbands handelt es sich um ein relativ teures Hobby. „Der Anzug kostet rund 60.000 CZK, ein Fallschirm kostet ab 150.000 CZK, der Helm kostet 15.000, ein akustischer Höhenmesser etwa 10.000 und ein Sprungticket kostet ungefähr 650 CZK. Es ist also ein teurer Sport, aber es betreiben ihn nicht nur reiche Leute“, rechnete er vor.

Wissen wie Piloten
Anders als Fallschirmspringer müssen erfahrene Wingsuiter Ähnliches beherrschen wie Flugzeugpiloten. „Sie müssen gut navigieren können. Sie müssen wissen, wo sie abspringen, wohin sie fliegen, in welchem Winkel, auf welchem Kurs, wo sie um wie viel Grad drehen, an welchen Orientierungspunkten am Boden sie sich ausrichten. Dadurch sind sie dann in der Lage, zum Flugplatz zurückzukehren“, erklärte er.

Während der Wettkämpfe springen die Teilnehmer bis zu fünfmal am Tag. „Es sieht entspannt aus, durch die Luft nach unten zu fallen, aber man kommt dabei außer Atem, wenn man die Flügel halten muss. Außerdem muss man beim Fallschirmspringen ständig konzentriert sein, um bereit zu sein, falls man ein unerwartetes Problem lösen muss“, beschrieb Dlouhý. Entscheidend sei in solchen Fällen, Ruhe zu bewahren und schnell zu reagieren. Den Springern kann es zum Beispiel passieren, dass sich ihr Fallschirm im Flug verheddert und sie den Reserveschirm benutzen müssen.

Auf dem Flugplatz in Prostějov treffen sich Liebhaber des Fallschirmspringens oft. Hier fanden nicht nur Welt- und Europameisterschaften in verschiedenen Fallschirmsportdisziplinen statt, sondern auch diverse Weltcups. Darauf ist auch die Ausstattung ausgelegt. Hinter dem Flugplatzgebäude befinden sich Hütten, drinnen gibt es die volle Ausstattung eines gewöhnlichen Campingplatzes, einschließlich Küche.

Da in den ungewöhnlichen Luftsportdisziplinen nicht so viele Menschen unterwegs sind, kennen sich alle untereinander, und es herrscht eine freundschaftliche Atmosphäre. „Es ist wie eine zweite Familie. Es ist nicht so, wie wenn man Squash spielen geht, sich auspowert, duscht und weiterzieht. Wir leben hier immer eine ganze Woche am Stück zusammen, es ist eine Leidenschaft“, sagte Dlouhý.

Am Ende der Sommerferien kehren die Liebhaber von Batman-Anzügen und Adrenalin auf den Prostějover Flugplatz zurück; zur zweiten Veranstaltung dieser Art könnten laut Martin Dlouhý etwa 150 Fallschirmspringer aus achtzehn Ländern der Welt anreisen.

Link zum Artikel: https://magazin.aktualne.cz/vypadaji-jako-batmani-a-letaji-proklate-rychle-nad-zemi-wing/r~08c2e29c8a9111e8b52aac1f6b220ee8/

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